Ein kurzer Spaziergang für den Kopf
Fünf Minuten vor die Tür. Ohne Ziel, ohne Einkaufsliste, ohne Telefon in der Hand. Es geht nicht um Bewegung und nicht um frische Luft — beides ist ein netter Nebeneffekt. Es geht darum, für einen Moment nicht erreichbar zu sein.
Warum so kurz? Weil fünf Minuten sich organisieren lassen und eine Stunde nicht. Wer den ganzen Tag über ansprechbar sein muss, kommt selten in die Ruhe, die längere Pausen bräuchten. Eine kurze Unterbrechung, die tatsächlich stattfindet, hilft mehr als ein langer Spaziergang, den Sie sich seit Wochen vornehmen.
Gehen Sie in eine Richtung, in die Sie sonst nicht gehen. Zweieinhalb Minuten hin, zweieinhalb zurück — keine Strecke, die geschafft werden muss. Wenn Ihre Gedanken zu Hause bleiben, ist das normal; Sie müssen sie nicht wegschieben. Schauen Sie stattdessen bewusst auf drei Dinge, die Sie unterwegs sehen. Das reicht meist, damit der Kopf umschaltet.
Viele Angehörige können die Wohnung nicht verlassen, weil sie den Menschen mit Demenz nicht allein lassen möchten oder können. Das ist kein Mangel an gutem Willen, sondern die Lage. Dann geht es auch kleiner: ans offene Fenster, auf den Balkon, ins Treppenhaus. Entscheidend ist nicht die Entfernung, sondern der Wechsel — ein anderer Raum, ein anderes Licht, ein anderes Geräusch.
Und wenn sich die fünf Minuten regelmäßig einrichten lassen sollen, lohnt es sich, sie einmal auszusprechen: gegenüber einer Nachbarin, den Kindern, dem Pflegedienst. Fünf Minuten sind eine Bitte, die sich leicht erfüllen lässt — sie muss nur gestellt werden.