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„Du bist meine Mama und zusammen schaffen wir das.“

Anna und ihre Mutter Faride gehen untergehakt durch die Innenstadt und lachen.

Anna (35) zieht zurück nach Traunstein, als ihre Mutter Faride die Diagnose Alzheimer erhält. Sie erzählt vom Spagat zwischen eigenem Leben und Fürsorge – und davon, was ihr Halt gibt.

Meine Mama Faride und ich haben eine extrem enge Bindung. Als ich sieben Jahre alt war, starb mein Vater – wir waren von da an immer zu zweit. Das hat uns zusammengeschweißt.

Meine Mama kommt ursprünglich aus Kolumbien und hat sich in Deutschland durchgekämpft, weil sie mir ein gutes Leben ermöglichen wollte. Ich habe meine Berufswahl und Karriere auch danach ausgerichtet, dass ich im Alter gut für sie sorgen kann.

Schon 2017 zeichneten sich erste Veränderungen bei ihr ab. Es war mehr als Schusseligkeit, aber ich wollte nicht genau hinschauen. In meinem Umkreis heirateten Freundinnen und bekamen Kinder – ich wusste, dass sich mein Leben mit Mamas Diagnose massiv ändern würde. Das hat mich wütend gemacht.

Ich habe nie daran gezweifelt, dass ich für Mama da sein möchte – aber es ist ein enormer Spagat für mich: ein eigenes Leben aufzubauen und gut für sie zu sorgen. Für mich ist es auch eine Herausforderung, den Schmerz um den konstanten Abschied zu spüren. Ich versuche, das von ihr fernzuhalten. Diesen Schmerz trage nur ich.

Als Mama die Diagnose bekam, lebte ich in Brasilien. Mir war klar, dass das nicht mehr geht. Ich bin nach Hause zurückgekehrt und wohne nur ein paar Minuten von Mama entfernt.

Die Diagnose hat viel Klarheit gebracht. Damit wich auch die Wut – und es entstand Platz für Verständnis. Ich erinnere mich, wie wir nach der Diagnose im Auto saßen und Mama mir unter Tränen sagte: „Ich möchte dir nie eine Last sein“ – „Das bist du nicht. Du bist meine Mama und zusammen schaffen wir das.“

„Meine Herausforderung: Der Spagat zwischen eigenem Leben und Fürsorge.”

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Im Laufe der Jahre hat sich meine Mama verändert, aber ich merke immer wieder, was für ein wunderbarer Mensch sie ist. Sie ist gerne unterwegs – und genau das versuche ich ihr zu ermöglichen. Wir unternehmen viele Ausflüge und versuchen, uns eine schöne Zeit zu machen.

Wir sehen uns jeden Tag, selbst wenn es nur am Abend für zehn Minuten und eine Umarmung ist. Ich versuche, meine Mama in alles einzubinden und sie an meinem Leben teilhaben zu lassen. Ich glaube, dass das für uns beide wichtig ist.

Ich kann von niemand anderem so viel Trost erfahren wie von ihr – das ist immer noch so. Als ich großen Liebeskummer hatte, kaufte ich ein Buch darüber und las es vor, wenn wir zusammen waren. Sie hat vielleicht nicht jedes Wort verstanden, aber sie hat gespürt, wie es mir geht und mir Trost geschenkt.

Anna und ihre Mutter Faride an einer Straßenkreuzung, Anna schaut auf ihr Telefon.
  • Anna und ihre Mutter Faride gehen untergehakt durch die Innenstadt und lachen.
  • Anna und ihre Mutter Faride an einer Straßenkreuzung, Anna schaut auf ihr Telefon.

Ich habe gelernt, dass ich nicht alleine bin mit der Aufgabe. Es war schwer, Mama aus meiner Obhut zu geben, aber die Tagespflege tut ihr gut. Wir nennen es den „Club“ – und Mama geht gerne dorthin.

Auch meine Freundinnen und Tanten unterstützen mich: Wenn ich unterwegs bin oder arbeite, schauen sie tagsüber mal zu Mama und leisten ihr Gesellschaft. Urlaube und kleine Auszeiten kann ich so regeln, ohne dauerhaft ein schlechtes Gewissen zu haben.

Meine Mama liebt es, rauszukommen. Ihr Freundeskreis hat sich durch die Krankheit zum Teil zurückgezogen. Ich wünschte mir, dass jeder Mensch ein bisschen mitdenkt und mitfühlt – mehr gesellschaftliches Wohlwollen und Miteinander.

„Ein erster Schritt wäre mehr Aufklärung, denn die meisten Menschen wissen zu wenig über Demenz.”

Außerdem wünsche ich mir schönere Orte für alte Menschen. Ich habe mir Pflegeheime angesehen, aber noch nicht das passende gefunden: Ich möchte Lebendigkeit, Musik – und dass Menschen fröhlich sein können. Mein Traum ist ein Mehr-Generationen-Haus mit meiner Mama.

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